www.pro-hof-online.de

Startseite


Aktuelles Magazin->

Siegfried Schmidt bereiste alle Kontinente:
Zu Gast bei Star-Autoren und Präsidenten

Bilder aus dem abenteuerlichen Leben von Siegfried Schmidt: Mit Bestseller-Autor Sir Arthur C. Clarke, mit dem Präsidenten Madagaskars Marc Ravalomanana, unterwegs in Benin, Afrika, und beim Tauchen in der Truk-Lagune.

 

Der Alt-Moschendorfer Siegfried Schmidt hat die Welt gesehen. Seine beruflichen Reisen als Ingenieur der Rundfunk- und Nachrichtentechnik führten ihn auf alle Kontinente, und er lernte dabei immer wieder auch Persönlichkeiten der Zeitgeschichte kennen. So arbeitete er beim Aufbau des Radio- und Fernsehnetzes auf Madagaskar in Antananarivo, der Hauptstadt, eng mit dem späteren und inzwischen im Exil lebenden Präsidenten Marc Ravolomanana zusammen. Und auch mit dem weltberühmten britischen Science-Fiction-Schriftsteller und Visionär neuer Technologien Sir Arthur C. Clarke stand Siegfried Schmidt in engem Kontakt. Wir haben nachgefragt:

Wer an den Ingenieursberuf denkt, verbindet damit nicht unbedingt weite Reisen und monatelange Auslandsaufenthalte. Wie kam es, dass sie so weit herumgekommen sind?

Ich hatte das Glück, dass ich nach Abschluss meiner Ausbildung und ersten Auslandseinsätzen für die Firma Siemens in Belgien und Saudi Arabien eine Anstellung bei der bundeseigenen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit bekam, wo im Rahmen der technischen Hilfe für Entwicklungsländer in meinem Fachgebiet viele Projekte abzuwickeln waren. Die Planung und Ausführung solcher Projekte war mit Reisen und mit Langzeitentsendungen von oft bis zu drei Jahren in die betreffenden Entwicklungsländer verbunden.

 

Hat sich Ihr Leben durch den Beruf so entwickelt, oder waren Sie von Natur aus sehr reiselustig?

Natürlich war ich von Haus aus reiselustig. Das fing in meiner Jungend recht klein an, noch in der mageren Nachkriegszeit, da fuhr ich mit Schulkameraden in den Ferien per Fahrrad quer durch die Fränkische Schweiz und schließlich entlang des Rheins nach Köln und wieder zurück. Während meiner Praktikantenzeit bei der Radio-Firma SABA im Schwarzwald kam ich schon etwas weiter, als ich in den Betriebsferien eine Fahrradtour über die Alpen nach Genua und von dort entlang der Riviera bis nach Marseille unternahm.

 

Wohin führte die abenteuerlichste Reise Ihres Lebens, und was haben Sie dabei alles erlebt?

Meine interessanteste Reise brachte mich 1990 nach Mikronesien zu den Karolinen-Inseln im Pazifischen Ozean. Bereits in jungen Jahren wurde ich auf diese Inselgruppe aufmerksam, als ich eines Tages unter alten Unterlagen meines Vaters die Postkarte eines Leutnants Senftleben fand. Die Karte war 1904 an den Patenonkel meines Vaters geschrieben worden und hatte einen deutschen Poststempel von der Insel Yap. Da fragte ich mich, wie kommt ein deutscher Soldat auf eine Insel im Pazifik, und fand heraus, dass Yap – wie auch die drei anderen Inseln der Ost-Karolinen – von 1898 bis 1911 zu den Deutschen Kolonien im Pazifik gehörte. Also war dieser Leutnant damals ein Kaiserlicher Soldat.

Als ich 1989 erfuhr, dass ein Auftrag zur Ausarbeitung eines Vorschlags für die Verbesserung des Kommunikationssystems zwischen den vier Inselstaaten der Karolinen anstand, habe ich mich beworben und konnte diesen Auftrag sechs Monate später abwickeln. Meine Anreise dorthin erfolgte über San Francisco (USA) – Hawaii und die Marshall Inseln wo es auch auf Kwajalein zu einer Zwischenlandung kam. Beim Weiterflug, nach dem Start, lenkte dort der Pilot die Maschine in einer Kurve über ein Außenriff, wo das Wrack des schweren Kreuzers „Prinz Eugen“ zu sehen war. Das Schiff war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Beutegut der Deutschen Kriegsmarine von den Alliierten Siegermächte im Zielgebiet der Atomversuche, dem Bikini-Atoll, verankert - und danach bei der nahe liegenden Insel Kwajalein, in relativ flachem Wasser, auf Grund gesetzt worden.

In meinem Einsatzgebiet angekommen, begann meine Aufgabe mit Recherchen in der Verwaltungshauptstadt Kolonia auf der Insel Pohnpei. Hier sind noch viele Hinweise auf die ehemalige deutsche Kolonialherrschaft zu finden, und ich traf auf mehrere Einwohner mit deutschen Nachnamen. In meiner Freizeit besuchte ich den alten deutschen Friedhof wo noch Grabsteine mit deutscher Aufschrift zu finden sind. So stand auf einem großen Grabmal „Hier ruht in Gott Victor Berg, Kaiserlicher Regierungsrat - * 19. März 1866 + 30.April 1807“.

Auch die international bekannt gewordene Ruinenstätte „Nan Madol“, die ich ebenfalls besichtigten konnte, liegt auf dieser Insel. Den Besuchern offenbaren sich erstaunliche Bauwerke, Reste von hohen Wänden, Säulengänge und Treppen zu tiefer liegenden Kammern, alles geschaffen aus zusammengefügten Basalt-Stelen. Vermutlich handelt es sich um ein altes Tempelgebiet mit Wohnbereichen einer vorzeitlichen Kultur.

Auch im „Lexikon der Prä-Astronautik“ von Ulrich Dopatka ist diese Stätte beschrieben, und Erich von Däniken hat in einem seiner Bücher Spekulationen angestellt, dass diese Anlage einst von Besuchern aus dem Weltall geschaffen worden sein könnte. Hat man jedoch die Anlage selbst besichtigt, wird einem klar, dass solche Vermutungen aus reiner Sensationshascherei zu Papier gebracht worden sind und in den Bereich der Fantasie gehören.

Richtig spannend wurde es für mich dann noch auf der Insel Moen im Truk-Staate (inzwischen umbenannt in Chuuk ). Dort hatte ich mit dem Direktor der Senderstation Joe Commor zu tun, einem sehr gewandten Journalisten, der viel über Deutschland wusste. Er bat darum, mich bei der Verwaltung des Museum von Dahlem in Berlin dafür einzusetzen, dass man seinem Staat ein großes altes traditionelles Boot zurückgeben möge. Es wäre für die alten Insulaner ein besonderes Heiligtum gewesen, das nur bei großen festlichen Anlässen geschmückt und mit den Herrschern der Inseln des Truk-Atolls Fahrten unternahm. Die deutsche Kaiserliche Marine hatte es vor vielen Jahren einfach mitgenommen, und seither ist es in Dahlem ausgestellt .

Das innere Gebiet von Truk-Staate besteht aus fünf größeren Inseln und mindesten aus doppelt so vielen kleinen Inseln, die alle von einem Außenriff geschützt innerhalb einer Lagune mit einem Durchmesser von rund 60 Kilometern liegen. Als Deutscher wurde ich dort überall außerordentlich freundlich empfangen. Ein Senator mit Namen Hartmann hat mich eingeladen und mit einem Motorboot zur Insel Totiw gebracht, die sich in Besitz seiner Familie befindet. Auf der sonst schönen Tropeninsel befand sich die Bauruine eines Hotels, das sein Bruder nicht fertig stellen konnte, da er vorzeitig verstorben war. Ich sollte für ihn versuchen, für die touristische Erschließung dieser Insel einen deutschen Investor zu finden. Einen japanischen Anwärter, der mit ihm in Kontakt war, wollte er abwimmeln und lieber einen Deutschen finden, weil eben sein Großvater noch ein rein deutscher Abkömmling gewesen sei.

Die Truk-Lagune ist besonders für US-amerikanische und japanische Touristen interessant, da im 2. Weltkrieg dort die gesamte japanische Kriegsflotte vor Anker lag. In einem groß angelegten Angriff versenkte die US-Luftwaffe einen großen Teil dieser Flotte, so dass dort rund 50 Wracks auf gut erreichbaren Tauchtiefen liegen. Durch die schnelle Entwicklung des Tauchsports ist daher die Truk–Inselgruppe in den letzten Jahrzehnten zu einem internationalen Eldorado der Wracktaucher geworden. Auch für mich, der ich bereits am Roten Meer getaucht und im Besitz eines entsprechenden Scuba-Tauchercertificates war, bot sich daher die Gelegenheit, mit einer organisierten Gruppe von US-Divers mehrere Tauchgänge zu verschiedenen Wracks zu unternehmen.

Mein Heimflug ging über Guam, die Philippinen und Bangkok, so dass ich bei meiner Rückkehr in Frankfurt/Main eine volle Runde um unseren Erdball gedreht hatte. Mitgebracht hatte ich die Erkenntnis, dass es auf der anderen Seite unseres Globus Insulaner gibt mit Namen wie Hartmann, Gruber und Ludwig, die viele Kenntnisse über uns und das Land ihrer Urväter haben, aber wir hier wissen gar nichts über sie und wie sie leben.

 

Der Schriftsteller Sir Arthur C. Clarke wurde vor allem durch seinen von Stanley Kubrick verfilmten Roman „2001: Odyssee im Weltraum“ bekannt. Wie lernten Sie ihn kennen?

Als ich 1969 einen Zweijahresvertrag für den Einsatz in Sri Lanka bekam (die Insel hieß damals noch Ceylon) hatte ich zuvor drei Jahre in Jeddah, Saudi Arabien, gearbeitet. Es gab dort zur Freizeitgestaltung nur das Schwimmen im Roten Meer, und so kam es, dass mich ein befreundeter Flugzeugingenieur aus den USA im Gerätetauchen ausbildete. Ich begann mit der Unterwasserfotografie und hatte als Tauchpartnerin eine dort praktizierende Zahnärztin, die ebenfalls aus Hof stammte und zuvor eine Praxis in Bad Berneck betrieben hatte. Als ich in Colombo, der ceylonesischen Hauptstadt, eingerichtet war, suchte ich zur Ausübung meines Unterwasser–Hobbys Anschluss an eine entsprechende Interessensgruppe. Arthur C. Clarke lebte damals bereits in Colombo und war durch Experimente mit der Schwerelosigkeit, die im freien Wasser simuliert werden kann, zur Taucherei gekommen und hatte mit seinem Partner ein erstes Tauchsportzentrum in Sri Lanka eingerichtet. Er war es, der mir durch Ausleihen der erforderlichen Gerätschaften das Tauchen an den Riffen von Sri Lanka ermöglichte. Mit einem Empfehlungsschreiben von ihm bekam ich von den einheimischen Behörden auch eine Sendegenehmigung für die Ausübung des Amateurfunks, ein Hobby das ich seit meiner Jugend betrieb. Auch aus Interesse an unseren gegenseitigen Tätigkeiten entwickelte sich eine Bekanntschaft, die bis zu seinem Tod im März 2008 anhielt. Immer wenn ich dienstlich zur Nachbetreuung unseres Projektes bei der Sri Lanka Broadasting Corporation, oder auch privat als Urlauber, wieder nach Sri Lanka kam, war ich Gast in seinem Wochenendhaus bei Hikkaduwa an der Westküste.

 

Durch den Aufbau eines Radio- und Fernsehsenders in der madagassischen Hauptstadt hatten Sie Anteil an der politischen Karriere des späteren Präsidenten Marc Ravalomanana. Wie haben Sie seinen Aufstieg und seinen späteren Sturz erlebt?

Im Jahr 2000 wurde ich in Frankfurt einem Herrn mit dem Namen Ravalomanana vorgestellt, es war der damalige Oberbürgermeister von Antananarivo, der Hauptstadt von Madagaskar, einer Insel, der ohnehin mein besonderes Interesse galt. Er suchte einen Ingenieur, der ihn für die Errichtung einer privaten Fernseh- und Hörfunkstation, mit entsprechenden Aufnahmestudios, beraten konnte.

Infolge einer Umstrukturierung meiner Firma war ich zu diesem Zeitpunkt gerade ich den Vorruhestand versetzt worden. Ohne abschätzen zu können, was da auf mich zukommen würde, übernahm ich diese Aufgabe lediglich unter der Voraussetzung, dass ich für diese exotische Insel eine Amateurfunklizenz bekäme und man mir für anfallende Reisen nach Madagaskar die Kosten der Flüge in der Businessklasse mit allen sonstigen Spesen vor Ort voll erstatten würde.

Als erfolgreicher Geschäftsmann und Besitzer einer Speiseölraffinerie und Produktionseinrichtungen für Joghurt, Käse, Speiseeis und Limonaden hatte Marc Ravelomanana keinerlei Probleme mit der Finanzierung seiner privaten Rundfunkstation. Die Vergabe aller anfallenden Liefer- und Montageaufträge erfolgte ausschließlich an deutsche Firmen und wurde von ihm persönlich peinlichst überwacht und vorgenommen. Kurz vor Fertigstellung der gesamten Station, im Sommer 2001, gab er dann, als amtierender Oberbürgermeister der Hauptstadt, seine Kandidatur für die im Dezember 2001 anstehenden Präsidentschaftswahlen bekannt.

Im August 2001 konnte bereits seine eigene Station auf Sendung gehen und deklassierte mit schwungvollem Programm das langweilige Angebote der Nationalen TV- und Radiostation. Das madagassische Volk, das wegen Misswirtschaft und Korruption mit dem alten Präsidenten Admiral D. Ratsiraka schon lange nicht mehr zufrieden war, wählte im Dezember 2001 schließlich Marc Ravalomanana als neuen Hoffungsträger der Nation zum Präsidenten. Ganz offensichtlich hatte der Privatsender des Kandidaten mit entsprechender Propaganda in Werbespots und als Inhalt besonderer Programmbeiträge einen entscheidenden Anteil an diesem Wahlerfolg.

Durch Einführung eines besonderen Aufbauprogramms verhalf der damals neue Präsident dem Inselstaat in seinen ersten Regierungsjahren zu erkennbarem wirtschaftlichem Aufstieg, was dazu führte, dass er 2006 auch für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde. Zu Beginn dieses Jahres wurde ich erneut aus Deutschland angefordert, um nunmehr für die Strukturverbesserung des landesweit agierenden Nationalen Fernsehens einen Vorschlag einzubringen.

Im Jahr 2008 machten starke oppositionelle Kräfte auf eine einseitige wirtschaftliche Entwicklung des Staates aufmerksam und beschuldigten den Präsidenten der Vorteilsnahme für seine eigenen Firmen (Monopolisierung) und der Vernachlässigung der teils sehr verarmten Landbevölkerung. Wortführer war der Werbefachmann und ehemaliger Disc Jockey Andry Rajoelina, der ebenfalls mit seinem eigenen privaten Fernsehsender die Jugend für sich gewinnen konnte und damit bereits die Wahl zum Oberbürgermeister der Hauptstadt geschafft hatte. Nach anhaltenden Proteste gegen den amtierenden Präsidenten in den Straßen von Antananarivo kam es zu Schießereien mit Toten unter den Aufständischen, was die Massen noch mehr gegen die Regierung aufbrachte, und als schließlich der rebellierende Andry Rajoelina das Militär auf seine Seite brachte, blieb dem Präsidenten Ravalomanana nur noch die Flucht ins Exil.

Rajeolina ernannte sich selbst zum Übergangspräsident und versprach die Abhaltung von Neuwahlen. Die von ihm geführte Regierung fand bis heute keine internationale Anerkennung. Alle laufenden Projekte der Entwicklungshilfe wurden gestoppt, und die Wirtschaft des Landes befindet sich fortschreitend in einem desolaten Zustand.

Hier in Europa erfährt die Allgemeinheit sehr wenig über Leid und Armut der Bevölkerung auf dieser sonst so schönen Tropeninsel. Die meisten unserer Normalbürger wissen kaum, wo genau Madagaskar auf dem Globus zu finden ist, dabei hat die Insel eine Fläche von der Größe Deutschlands mit Österreich zusammen. Ein paar Alte kennen wohl noch das Marschlied „Wie lagen vor Madagaskar“, dessen Entstehung einen echten historischen Hintergrund hat, es entstand als einst der Flotte des Zaren unter preußischem Kommando in einer Bucht der Insel die Kohle ausgegangen war.

 

Sie sind nach wie vor als Reisender aktiv. Wie sehen Ihre Pläne für die nächste Zukunft aus?

Aufgrund meines fortgeschrittenen Alters habe ich keine konkreten Zukunftspläne mehr. Soweit sich das mit meiner Familie in Einklang bringen lässt, nutze ich jedoch die sich bietenden Gelegenheiten um Freunde und Bekannte, wo immer sie auch leben, zu besuchen.

 

Was bedeutet Ihnen nach all Ihren Reisen Ihre Heimat? Wie oft sind Sie in Ihrem Haus in Döhlau anzutreffen?

Trotz meiner wechselhaften Auslandstätigkeiten habe ich in der Vergangenheit den Kontakt zu meiner Verwandtschaft und zu alten Freunden in Hof-Moschendorf nie vernachlässigt, und es scheint so als habe ich mir durch regelmäßige Besuche in meiner Heimat immer wieder neuen Mut für die Ausübung meiner oft recht vielseitigen Aktivitäten geholt. In Döhlau findet man mich jetzt immer öfter, hier will ich versuchen mein Sammelsurium an Souvenirs zu ordnen - und vielleicht auch einen Teil meiner Erinnerungen zu Papier zu bringen. In unserer ruhigen oberfränkischen Ecke fällt mir dies sicher leichter als in der hektischen Gegend um Frankfurt, wo ich berufsbedingt ansässig geworden war.

&nb